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16.09.2019 10:38 Uhr

14.11. Fortwährende Eingriffe - Lesung mit Martin Dannecker


Anschließend Diskussion über das alte und das neue Aids.

Donnerstag, 14.11.2019, 20:00 Uhr | Wo? Ruhrpott Bar, Balduinstr. 20, 50676 Köln


 „Was keinem Papst mehr gelang, könnte Aids besorgen: die Wiedererrichtung strenger sexueller Sitten. Sollte das gelingen, wird sich das Sexuelle wieder mit jener Kälte überziehen, von der es einen flüchtigen historischen Augenblick lang befreit schien.“ [Martin Dannecker, in: Aids und die Homosexuellen (1986)]

Martin Dannecker hat nicht nur - gemeinsam mit vielen anderen – die bundesdeutsche Schwulenbewegung entscheidend geprägt, sondern er kann auch als einer ihrer Pioniere gelten. Gemeinsam mit Rosa von Praunheim hat er 1971 den Film „Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation in der er lebt“ veröffentlicht. Als Aktivist ist Martin Dannecker konsequent für die Emanzipation der Schwulen und für sexuelle Liberalisierung eingetreten.

Nur wenige Jahre nach Beginn der Schwulenbewegung der 1970er-Jahre wurde deren Sehnsucht nach mehr sexueller Freiheit mit AIDS konfrontiert und von dieser - damals sehr häufig tödlichen - Krankheit überschattet. Martin Dannecker hat sich in den folgenden Jahrzehnten in zahlreichen Texten und Veranstaltungen mit den individuellen und kollektiven Folgen von AIDS beschäftigt. Er verteidigte die Schwulen und ihre Sexualität gegenüber einer restriktiven staatlichen Gesundheitspolitik und schwulenfeindlicher Berichterstattung, aber auch gegenüber einseitigen Präventionsbotschaften der AIDS-Hilfen und Maßregelungen aus der Schwulenszene selbst. Kernstück von Martin Danneckers Debattenbeiträgen war demnach die Anerkennung des Anderen als Anderer, die Solidarität mit den Uneinsichtigen und die Bejahung der Sexualität auch vor dem Hintergrund von AIDS.

In dem im Männerschwarm Verlag erschienenen Band „Fortwährende Eingriffe“ versammeln sich nunmehr die Aufsätze, Vorträge und Reden von Martin Dannecker aus den vergangenen vier Jahrzehnten. Die von Psychoanalyse, kritischer Sexualwissenschaft und der Schwulenbewegung inspirierten Texte liefern einen einmaligen Einblick in die Auseinandersetzung mit einer Krankheit, die die Sexualität von Schwulen bedrohte und sie bis heute belastet.